Erfurt und seine Universität – eine der ältesten in Deutschland

Die thüringische Landeshauptstadt Erfurt ist für viele Dinge bekannt. Nicht nur handelt es sich um die größte Stadt des Freistaats Thüringen. Auch zahlreiche alljährlich stattfindende Spektakel wie die Erfurter Domfestspiele oder das Krämerbrückenfest haben Erfurts Namen weit über die Grenzen Thüringens hinaus getragen. Allerdings waren sie damit keine Pioniere. Denn ein viel älterer Botschafter Erfurts ist seine Universität, die bereits vor der Reformation bestand.

Gründung der Universität im Mittelalter

Die Geschichte der Erfurter Universität reicht bis ins Mittelalter zurück. Die Gründung datiert auf den vierten Mai 1389. Manche Forscher sehen auch das Jahr 1379 als Gründungsjahr der Bildungseinrichtung an, da der Auftrag zur Errichtung der Universität durch Papst Clemens VII. in diesem Jahr urkundlich festgehalten wurde. Würde man 1379 als Gründungsjahr der Alma mater Erfordensis ansetzen, so wäre diese Universität die älteste in ganz Deutschland, noch vor den Universitäten in Heidelberg und Köln, die 1385 und 1388 gegründet wurden. Tatsächlich wurde die Erfurter Universität jedoch erst 1389 unter Papst Urban VI. eingeweiht. Dennoch: Es handelt sich mit Sicherheit um eine der ältesten Universitäten Deutschlands. Bemessen an der Einführung des Generalstudiums an der Uni Erfurt handelt es sich zumindest um die Bildungseinrichtung mit der längsten Hochschultradition Deutschlands. Das Hambacher Fest, die von Luther vorangetriebene Reformation, die Weimarer Klassik mit Goethe und Schiller – all diese wichtigen kulturhistorischen Einschnitte der deutschen Geschichte fanden mit der Erfurter Universität als Zeitzeuge statt.

Johannes Gutenberg, Student der Alma mater Erfordensis

Johannes Gutenberg, Student der Alma mater Erfordensis

Gesellschaftliche Bedeutung

Mit den historischen Entwicklungen Deutschlands und teilweise der gesamten Welt verbanden die Universität Erfurt bislang einige bedeutende Persönlichkeiten. Der Erfinder des Buchdrucks Johannes Gutenberg beispielsweise war Student an der Alma mater Erfordensis. Später war auch Martin Luther unter den Erfurter Studierenden. Der Dichter Christoph Martin Wieland gehörte zu den Lehrenden. Aus der ersten Blütezeit der Universität im 14. und 15. Jahrhundert stammt die berühmte Bibliotheca Amploniana, die das gesamte Wissen des späten Mittelalters widerspiegelt und als eine der wichtigsten Handschriftensammlungen Deutschlands gilt. Um den Wechsel vom 15. zum 16. Jahrhundert herum war der Bildungseinrichtung eine zweite Blütezeit vergönnt. Martin Luther studierte hier zu dieser Zeit und empfahl die Universität später. 1816 wurde die Hochschule geschlossen.

Aktuelle Lage

1994 kam es zur Neugründung der Erfurter Universität. Heute ist der am häufigsten belegte Studiengang das Grundschullehramt, gefolgt von Erziehungswissenschaften. Daneben legt die Universität einen Fokus auf das Fach Staatswissenschaften, das sich aus Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften zusammensetzt. In der philosophischen Fakultät sind Kommunikationswissenschaften und Geschichte die beliebtesten Fächer bei der Studentenschaft. Zu ihr gehören derzeit rund 5000 Studenten. Zugleich verzeichnet die Universität Erfurt seit einigen Jahren stets um die 500 Mitarbeiter. Der aktuelle Präsident ist Kai Brodersen. Er und seine Mitstreiter wirken in der Tradition einer der ältesten Universitäten Deutschlands, deren Studenten und Lehrkräfte über die Jahrhunderte hinweg stetig zur gesellschaftlichen Entwicklung beitrugen.