Das Martinsfest, eine ökumenische Tradition

Kind mit Laterne

Jedes Jahr wird am 10. November in Erfurt ein großes, ökumenisches Fest gefeiert – das Martinsfest. Zu Einbruch der Dunkelheit ziehen Einheimische, wie auch Gäste, aus allen Himmelsrichtungen zum Domplatz. Die meisten Kinder tragen dabei natürlich Laternen bei sich, die Licht spenden sollen und an den Martinstag erinnern. In Erfurt wird dieser Tag „Martini“ genannt, Einheimische wissen, wovon Sie sprechen.

An diesem Tag wird dem heiligen Martin gedacht, dem Erfurter Schutzpatron. An „Martini“ wird dem Heiligen Martin von Tours gedacht, aber auch dem großen Reformator Martin Luther. Luther hat während seiner Studienzeit ebenfalls in Erfurt gelebt, auch deshalb begehen die evangelische und die katholische Kirche den Martinstag gemeinsam. Es ist ein großes Fest, an dem Martinsgänse und Martinslaternen natürlich nicht fehlen dürfen. Hier wird Tradition noch hoch gehalten!

Der heilige Martin in einer Darstellung von Hans Balduin Grien, um 1505.

Der heilige Martin in einer Darstellung von Hans Balduin Grien, um 1505.

Speziell an diesem Tag werden die Martinshörnchen verkauft, in der ganzen Stadt stehen hier Stände und bieten diese leckere Köstlichkeit an. Die Erfurter Martinshörnchen sind traditionell mit Persipan oder Marmelade gefüllt, ein Blätterteiggebäck, das Seinesgleichen sucht. Selbstverständlich gibt es hier die nötigen Getränke, Bier, Wein und Glühwein werden an vielen Ständen ausgeschenkt. Es gibt hier praktisch alles, was direkt oder indirekt mit dem Martinstag zu tun hat.

Solch ein Fest braucht natürlich Vorbereitung, bereits ab 10.00 Uhr morgens sind fleißige Helfer auf den Beinen. Um 18.00 Uhr treffen dann bunte, leuchtende Laternen ein, es darf jetzt ausgiebig gefeiert werden. Im Volksbrauch galt der Martinstag übrigens als Winteranfang, es begann jetzt eine Fastenzeit bis zu Weihnachten. Auch deshalb gab es zum Martinstag noch einmal köstliche Leckereien, jeder durfte sich jetzt den Bauch vollschlagen, bevor das große „Adventsfasten“ angesagt war. Die beiden großen Kirchen feiern ein gemeinsames Fest, das an Gemütlichkeit und Zusammenhalt nicht zu überbieten ist. Jeder Besucher sollte es mindestens einmal erlebt haben und diverse Eindrücke mit nach Hause nehmen.

Martin Luther.

Martin Luther wurde im Erfurter Augustinerkloster zum Priester geweiht.

Die evangelischen Christen feiern am 10. November Luthers Geburtstag und die Katholiken erinnern an Martin von Tours. Dieser Martinstag wird traditionell am 11. November gefeiert, er will den „Heiligen Martin“ ehren, der seinen Mantel mit einem Schwert geteilt hat. Die Hälfte des Mantels gab er einem Bettler, damit er sich wärmen konnte. Daraufhin erschien ihm Jesus selbst und sagte: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Nach diesem Erlebnis ließ sich Martin taufen und schloss sich später einem Orden an. Er war viel unterwegs und kümmerte sich um Kranke und Aussätzige.

Die Kinder bringen mit ihren Laternen Licht in die Dunkelheit und die Brezeln sollen geteilt werden, um an die Hilfsbereitschaft des „Heiligen St. Martin“ zu erinnern. Nach der Andachtsfeier gehen die Kinder dann von Haus zu Haus, singen Martinslieder oder tragen Gedichte vor. Sie werden dann mit Süßigkeiten oder Geldstücken belohnt.